Unser Besuch in der OTB-Musterwohnung: „Ermündigung zum alltagsgerechten Wohnen“

am 11.11.2015 in 12681 Berlin-Marzahn, Meeraner Straße 7/ 6. OG

Ein persönlicher Rückblick:

Musterhafter Schüler, Schnittmuster, Musterhaus, diese Begriffe sind allgemein bekannt. Aber OTB- Musterwohnung?

Wir waren dort, am 11.11.2015. Diese besondere Wohnung bietet Beispiele mit Produkten und Arrangements für Menschen, deren Körper nicht (mehr) musterhaft funktioniert. Und wer kennt das nicht aus seinem ganz persönlichen Alltag? Denn auch im gewöhnlichen Leben nutzen der Hausmann und die Hausfrau so genannte Küchenhelfer, wie z. B. Flaschenöffner, Schaumkelle etc. Doch die OTB-Musterwohnung bietet einiges mehr.

Hier 4 Beispiele, die den Leser neugierig machen dürfen:

  1. Es gibt elektronische Verknüpfungen und Anzeigen, sozusagen als Erinnerer, wenn man mal vergessen hat die Wohnungstür oder das Fenster zu schließen. Demenz muss es ja nicht gleich sein. Aber selbst für diesen Fall böten die elektronischen Verknüpfungen von Geräten in der Wohnung eine gewisse Sicherheit, zur Verhinderung des (vorzeitigen) Umzuges ins Pflegeheim.
  2. Kann man sich im Bett nicht mehr aufrichten und drehen, weil Halswirbel oder Kräfte versagen, ist das „ROTOFLEX- Aufstehbett“ von der PhysioNova GmbH mit u. a. höhenverstellbarer Drehplatte unter der Matratze eine begeisternde Hilfe um wieder „die Füße auf den Boden zu bekommen“. Es ist auch einstellbar zum Transfer auf Rollstühle. Eine echt super Erfindung!
  3. Das stark colorierte und besonders geformte Geschirr auf dem Esstisch ermöglicht es (stark) sehbehinderten Menschen, durch Kontrastfarbe und Form, weniger oft das bedauerliche Malheur zu erleben Flüssigkeiten zu verschütten.
  4. Ein Rollator lässt sich mit kleinen Handgriffen in ein Gefährt umwandeln, sozusagen in einen schiebefähigen Rollstuhl. Für den Fall, dass der Nutzende zu Zweit unterwegs ist, ist dieser Rollator eine prima Sache! Er erweitert die mögliche gemeinsame Bewegungsentfernung zu Fuß, z. B zum Cafe. Zurück kann er dann von seiner Begleitung, die sich dort gestärkt hat, geschoben werden. Bewegung tut gut.

Nunja, es ist nicht schön, wenn unsere Körper nicht musterhaft funktionieren, aber super ist’s, wenn musterhafte Entwicklungen bei Menschen hilfreiche Anwendung finden und Lebensfreude und Bewegung neu Raum hat.

Nach Besichtigung, Erklärung und teilweiser Erprobung der Produkte der Musterwohnung wurde in einem Seminarraum unser Erkenntnisstand zum Krankheitsbild Diabetes, Folgen und Nebenwirkungen erweitert und Fragen wurden beantwortet. Herausragend war die Erfahrung der Diabetologin, dass bei ihr erst nach vieljähriger Insulinbehandlung molekularbiologisch festgestellt wurde, dass eine Lebensmittelunverträglichkeit ihre Diabetes verursacht hatte und, dass durch eine langzeitige Nahrungsumstellung ihre tägliche Insulinmenge um ca. die Hälfte reduziert werden konnte. Wie nützlich könnte diese molekularbiologische Feststellungsmöglichkeit auch für viele andere insulinpflichtige Diabetiker werden?!?!

Nun, nach den vielen Eindrücken im 6. Obergeschoss des Hauses begaben wir uns ins Erdgeschoss und erhielten die Möglichkeit durch die OTB-Werkstatt geführt zu werden. Besonderheit dieser Werkstatt ist deren Größe und der Umfang der Hilfeleistungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Behinderungen, für Jung und Alt, für „Roller“ und „Latscher“. Und genau für die Letztgenannten gibt’s gleich nebenan die „Gehschule“.

So schloss ein eindrucksvolles und informationsreiches „Amputiertentreff-Event“ mit freundlichen, zwischenmenschlichen Begegnungen, die wir nicht gehabt hätten, wenn unsere Körper noch immer musterhaft funktionierten. (;o))