1. 3. Gehschulworkshop am Seddiner See vom 02.- 03.08.2019

Endlich war es wieder soweit! Zahlreiche Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe traffen sich , nun schon zum 3. x in der Heimvolkshochschule am Seddiner See.

Obwohl der Workshop erst am Samstag begann, fanden sich die Meisten schon am Vorabend ein, um eine gesellige Runde, auf der Terrasse, mit Blick auf den See, genießen zu können und um sich schon mal einzustimmen.

Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem See, einem leckeren Essen und viele Gespräche später, gingen wir dann recht bald schlafen, denn aus den 2 vergangenen Workshops wussten wir nur zu gut, dass wir am nächsten Tag fit sein mussten.

Pünktlich, am Samstagmorgen, nach einem guten Frühstück, komplettieren dann auch die noch fehlenden Teilnehmer unsere muntere Runde. Um für einen kühlen Kopf, bei den steigenden August-Temperaturen zu sorgen, konnte Sylvia wieder den klimatisierten Raum für unsere Veranstaltung buchen!

Sylvia eröffnete pünktlich das Seminar, erläutert den Ablauf der 2 Tage und stellte die Kursbegleiter des Workshops vor. Es sollte wieder ein abwechslungsreiches Programm mit aktiven Teilen zum Mitmachen, sowie einem Fachvortrag für die Amputierten und der Angehörigen Beratung werden.

Für den erkrankten Gehschultrainer Nenad Birek führte nun Michael Kramer, zusammen mit der Trainerin Manuela Jukiel durch das Gehschul-Programm der 2 Tage. Michael ist uns allen ja vertraut und es sollte in dieser aktuellen Besetzung ein sehr effektive und nachhaltige Zusammenarbeit werden.

Mit hohen fachlichen Wissen, Humor, Selbstironie aber auch den nötigen Ernst schafften Sie es, uns an beiden Tagen ins Schwitzen und teilweise auch an die Grenzen zu bringen und das lag nicht nur an den sommerlichen Temperaturen.

Sie analysierten das Gangbild jedes Einzelnen, deshalb die kurzen Hosen,versuchten zu korrigieren und hilfreiche Tipps zu geben, wobei der Humor aber auch nicht auf der Strecke blieb!

Es wurde viel gelacht, miteinander und auch über die eigenen Pannen.

Aber auch die „ Zweibeiner“ sollten nicht zu kurz kommen.  Physiotherapeutin Monika Rödel brachte auch die Angehörigen ordendlich ins Schwitzen, sodass das dann die Mittagspause gerade richtig kam.

Den Kopf randvoll mit neuem Wissen, die Glieder schwer nach all dem Training und der Magen leer, so machten wir uns auf dann den Weg zum Essraum. Der Koch der Heimvolkshochschule bescherte uns Allen, wie schon in der Vergangenheit, ein ausgewogenes und schmackhaftes Mittagessen für Fleischliebhaber und Vegetarier.

Diese gute Grundlage brauchten wir dann auch, um im Anschluß dem Beitrag von Frau Dr. M. Beirau zum Thema Rehabilitation, zu lauschen. Sie deckte wieder die medizinischen Aspekte aus Sicht der Ärztin ab und vermittelte uns, wie wichtig es ist eine passende Rehamaßnahme nach einer Amputation zu machen.

Ihr spannender Vortrag, der auch Raum für fachliche  Zwischenfragen bot, war natürlich zeitlich begrenzt und wir hatten noch viele Fragen. Wir konnten aber die sympathische Ärztin anschließen noch in Zweiergesprächen löchern, was auch rege in Anspruch genommen wurde.

Nach einer kurzen Kaffeepause folgte der Programmpunkt, der schon im Vorfeld für Diskusionen sorgte. Tanzen mit einer Prothese.

Monika und die Tanzlehrerin Beate versuchten uns zu vermitteln, dass Tanzen auch für Amputierte möglich ist. Doch gleich am Anfang zeigten sich die unterschiedlichen  Anforderungen  zwischen Unterschenkel- und Oberschenkelamputierten. Durch die damit verbundenen Schwierigkeiten war es schnell klar, dass man für die Umsetzung der Tanzbewegungen Fachleute braucht, die im günstigsten Fall selber betroffen sind oder eine dementsprechende Ausbildung haben.

Doch die zu finden, wird nicht einfach sein. Unser Interesse ist auf jeden Fall geweckt, wir hatten trotzdem viel Spaß und getanzt wurde auch!

Begleitet wurde unser Workshop von einem Kamerateam der AOK, die einen Film über unsere Selbsthilfegruppe drehen wollte. Dazu hatten sie uns auch schon bei einer der letzten Gruppentreffen begleitet. Die anfängliche Skepsis,das sich das Filmen störend auf den Ablauf auswirken könnte, war schnell verflogen.

Die Kameraleute verschmolzen, durch ihr unaufdringliches Verhalten, förmlich mit der Gruppe.

Sie führten Einzelgespräche, filmten unsere sportlichen Anstengungen und versuchten so zu dokumentieren, mit welchen Schwierigkeiten ein Amputierter im Alltag konfrontiert wird und wie er die Situationen bewältigen kann.

Ihre sympatische und professionelle Art machte es möglich, dass wir uns ungezwungen bewegen konnten. Das Ergebnis ihrer Reportage können wir inzwischen, als Film auf unserer Internetseite bestaunen!

Ein  lehrreicher und interessanter 1. Tag ging zu Ende.

Nach einem gewohnt leckeren Abendessen war ein Bad im Seddiner See geplant.

Für Einige das 1.öffentliche Bad nach vielen Jahren. Doch schnell waren alle Bedenken verflogen, sahen wir doch alle gleich aus, keiner blieb auf dem Trockenen.

Michael fungierte als humorvoller und hilfreicher „Bademeister“, und jeder hatte den Anderen im Blick. So konnten wir unbeschwert und glücklich in diesem schönen See planschen, welch ein Erlebnis!

Bei einem Glas Wein, mit Blick auf den See, ließen wir im Anschluß auf der Terrasse den Tag Revue passieren und ausklingen.

Der Sonntagvormittag des 2.Tages  und somit der 3. Teil unseres Workshops war geprägt von diversen körperlichen Aktivitäten. Michael, Monika und Manuela übten mit uns das Gehen auf unterschiedlichem Untergrund und das Hinfallen und wieder das Aufstehen. Die Treppe war einmal mehr ein wichtiges Thema mit ausgesuchten, speziellen Übungen für uns Amputierte.

Parallel zum „Sport der Versehrten“ führte Dagmar Marth an diesem Vormittag die Angehörigen Runde. Auch dieser Programmpunkt wurde wieder sehr interessiert angenommen und soll auch in Zukunft ein fester und wichtiger Teil dieses Worksshops sein.

Nach dem Mittagessen folgte dann die Auswertung des Wissensquiz (Rund um die Amputation), mit anschließender Preisverleihung und die Verabschiedeung aller Teilnehmer.

Bei Kaffee und Kuchen konnten wir in lockerer Rund die Tage Revue passieren lassen und Sylvia, Frank und dem Vorstand danken! Mit Fleiß, Akribie und viele Stunden Freizeit hatten sie wieder ein Seminar auf die Beine gestellt, dass wohl kaum Wünsche offen ließ. Mit Humor, Fachwissen und kleinen Anekdoten führte Sylvia uns durch das anspruchsvolle Programm.

Jeder konnte für sich etwas mitnehmen, wurde an seine Grenzen geführt, hatte Erfolgserlebnisse!

Es waren effektive und schöne Seminartage, in einer Umgebung, wo es Spaß machte, zu trainieren, sich auszutauschen, den Einzelnen in einer ungezwungenen Umgebung kennenzulernen und die Gewissheit zu haben, dass sich so ein anspruchsvolles Seminar auf jeden Fall lohnt!

 

Erstellt von Christiane K.