Veranstaltungen 2015

farbig unterstrichende Textzeilen beinhalten einen Bericht

Dezember

  • Gruppentreffen 4.12.2015
  • 13.12.2015 Besuch des tradionellen Weihnachtshauses in der Villa Donnersmarck zum 3.Advent 15-19 Uhr

November

  • Gruppentreffen 6.11.2015
  • Hr. Gründler- Handelsvertreter,  ist Partner der Firma Julius Teufel und stellt uns Prothetische-Versorgungen vor.
  • 11.11.2015 Besichtigung der OTB-Musterwohnung Berlin-Marzahn
  • 13. / 14.11.2015 Pik Schulung im UKB-Berlin
  • 24.11.2015 Besuch der Lehrakademie für Physiotherapie als Probanden 
  • 25.11.2015 Weihnachtsfeier mir befreundeter SHG in Magdeburg            

Oktober

  • Gruppentreffen 16.10.2015
    • Frau C. Minding vom reha team vital referiert über Möglichkeiten der orth.Hilfsmittel-Versorgung
  • Nordic-Walking  = abgesagt =
  • 2.10.2015 Veranstaltung mit Dagmar Marth + Sonny Theth in der Heilig-Kreuz-Kirche  Berlin-Kreuzberg
    •  NachtKlänge 85    Poesie des Glücks   http://ich-liebe-poesie.de
    •                                                             http://sonnythet.de                                                         

September

August

Juli

Juni

Mai

April

  • Gruppentreffen 10.4.2015
       Vorstellung der neuen Webseite

März

  • Gruppentreffen 13.3.2015
        Bericht einzelner Mitstreiter über den Besuch der Lehranstalt der Physio-Therapeuten                     
  • Referentenvortrag einer Therapeutin zum Thema Phantomschmerz
  • Teilnahme an der Auftaktveranstaltung " Inklusion" der AWO in Teltow
  • 21.3.2015 Mitgliederversammlung des BMAB

Februar

  • Gruppentreffen 13.2.2015
        Projekte des laufenden Jahres wurden vorgestellt
  • Vortrag einer Sozialarbeiterin zum Thema Schwerbehindertenrecht und Anträge beim Versorgungsamt
  • 27 / 28.2.2015 Amputierte als Probanden

Januar

  • Gruppentreffen 16.1.2015
        Bericht über die erste Peers Veranstaltung vom November
        Absprachen wegen unserer Web-Seite wurden getroffen
        Kassenbericht von 2014 wurde verlesen
  • Besuch eines Vertreters der Firma Endolite.
        Vorstellung des neuen höhenverstellbaren Fuß "Brio", sowie andere Produkte der Firma
  • 19.1.2015 Gründung einer neuen Selbsthilfegruppe für Amputierte

4.12.2015 Weihnachtsfeier 2015

Unsere Weihnachtsfeier war in diesem Jahr wegen des frühen Termins eher eine Adventsfeier. Aber die Villa Donnersmarck und vor allem unser Raum waren bereits weihnachtlich-festlich geschmückt, und beim Betreten des Hauses duftete uns bereits der im Ofen schmorende Gänsebraten betörend entgegen. Mit schöner Musik kam schnell eine festliche Stimmung auf!

Die Teilnehmerzahl war überwältigend hoch. Es war besonders schön, dass Mitglieder kamen, die sonst an unseren Freitagsterminen nur selten teilnehmen können. Auch einige unserer Prothetiker, so D. Koch, G .Keil und M.Damerow, waren unserer Einladung gefolgt. Natürlich fehlten auch die Magdeburger Freunde nicht.

Sylvia hatte den Raum und die Tische festlich geschmückt, und für jeden gab es ein Geschenkpäckchen mit Leckereien sowie Utensilien für Stumpf und Prothese.

Wir hielten Rückblick auf die Veranstaltungen und Erlebnisse des vergangenen Jahres.

Insgesamt war es ein gutes Jahr, das uns wiederum einen deutlichen Mitgliederzuwachs beschert und den Zusammenhalt der Gruppe gefestigt hat.

Einige von uns berichteten von ihren Eindrücken aus der Selbsthilfegruppe und erzählten sehr offen und persönlich von der Unterstützung, die sie durch Peer Counseling und SHG erfahren haben. Das waren sehr bewegende Momente, in denen es ganz still wurde.

Das Weihnachtsessen, das das Team der Villa Donnersmarck in der kleinen Küche zubereitet hatte (klassisch: Gänsebraten, Rotkohl und Klöße), und allen fast zeitgleich servierte, war wieder vorzüglich. Alle haben Spaß daran gehabt! Vielen Dank für diese tolle Leistung!

Unser Weihnachtsmann sah in diesem Jahr unserem Herbert verblüffend ähnlich. Er nahm sich viel Zeit, rundum zu gehen, jeden anzusprechen und zu befragen. Viele von uns zeigten keine Angst und gaben dem Weihnachtsmann zum Teil kräftig Kontra! Aber der größere Teil war brav und sagte – wie verlangt – ein Lied oder Gedicht auf. Dafür gab es dann auch eine kleine Belohnung. Das war ein spaßiger Rundgang (Leute, lernt für nächstes Mal ein anderes Lied als immer nur O Tannenbaum…!).

D. Koch wird wohl das Kutscherspiel, das wir unter Sylvias Anleitung anschließend spielten, nicht so schnell vergessen. Der Begriff Bewegungsspiel passte hier genau. Der arme Mann kam aus dem Aufstehen und Herumlaufen gar nicht mehr heraus. Aber auch wir Prothesenträger hatten reichlich Gelegenheit, unsere Beweglichkeit und Schnelligkeit unter Beweis zu stellen. Außer Atem waren wir danach aber doch…!

Anschließend wurden wir von Mandy Küsel bewegt, die mit uns zu Musik Tanzschritte einübte. Immer schneller und anspruchsvoller wurden die Bewegungen. Unser Sirtaki war sehenswert, Alexis Zorbas hätte es gefreut! Wenn man nicht gewusst hätte, dass der Großteil von uns eine Beinprothese trägt, es wäre nicht zu erraten gewesen (aber auch die Armamputierten hatten ihren Spaß)!

Mit diesem Tanzvergnügen ging die Weihnachtsfeier nach gut 5 Stunden langsam zu Ende.

Ein gutes Jahr unserer Selbsthilfegruppe ist vollendet.

 

Mit den besten Wünschen und Grüßen für das neue Jahr 2016!

geschrieben vom Mitstreiter Wolfgang Hahn

 

17. / 19.9.2015 Informationsveranstaltung bei der Firma Ottobock (Beinprothetik für Anwender) in Duderstadt

Informationsveranstaltung bei der Firma Ottobock (17-19.9.2015)

Auch in diesem Jahr veranstaltete die Firma Ottobock einen Tag für Selbsthilfegruppen. Unsere Gruppe hat sich ja im letzten Jahr sehr vergrößert, so dass neue Mitglieder an einem Firmenbesuch interessiert waren. Aber auch einige von uns, die eine solche Veranstaltung bereits mitgemacht hatten, hatten Lust auf eine Wiederholung.

Wir machten uns am 17.9.2015 mit vier Privat-Pkws auf den Weg nach Duderstadt, das im wunderschönen Eichsfeld liegt. Der Wettergott meinte es sehr gut mit uns, deshalb hatten wir eine entspannte Anreise. Unsere Unterkunft im Hotel „Zum Kronprinzen“ war gut geeignet und ansprechend; man hatte sich bemüht, uns Zimmer zu geben, die eine ebenerdige Dusche hatten; sogar der Duschhocker fehlte nicht.

Ottobock hatte uns für diese Tage ein Rahmenprogramm zusammengestellt, damit wir auch vom Umfeld des Unternehmens etwas zu sehen bekamen. Es begann um 17.30 Uhr mit der Besichtigung des Rathauses von Duderstadt. Wir wurden zusammen mit einer weiteren Berliner SHG in einem Shuttle vom Hotel dorthin gebracht. Dieser Bus stand uns auch für den nächsten Tag zur Verfügung.

Das Rathaus, einst als Kaufhaus im Fachwerkstil mit zahlreichen Türmen und Erkern erbaut, diente den Händlern im Mittelalter als Marktplatz und war Mittelpunkt bürgerlichen Lebens. Heute ist es ein kulturelles und touristisches Zentrum. Tief in seinen Mauern beherbergt es eine Folterkammer, einen Weinkeller und den Rathaussaal. Wir wurden z.T. auf engen Treppen zu wahren Kletterkünstlern; das war Gehschule pur! Unsere Physiotherapeuten wären stolz auf uns gewesen!

Unsere Fremdenführerin hatte viel Fachwissen und erzählte nette Episoden, unter anderem auch, wie die Stadt zu ihrem Namen kam. Damals gab es einen Streit zweier Brüder, die sich einen Namen für die neu gegründete Stadt ausdenken sollten. Einer sagte zum anderen: “ Gib-Du-der-Stadt-den-Namen“! Der andere sagte: „Das ist es!“, und somit war der Name geboren.

Vom Rathausturm hat man einen fantastischen Ausblick auf die Altstadt mit ihren vielen verschiedenen Fachwerkhäusern und der Fußgängerzone mit Cafes, zwischen denen die kleine Brehme (Bächlein) plätschert.

Nach der Besichtigung gab es im Hotel „Zum Löwen“ ein gemeinsames Abendessen. Zwei Mitarbeiter der Firma Ottobock kamen dazu und verbrachten mit uns den Abend. Es wurde über Versorgungen gefachsimpelt und über das Leben und die Sorgen der SHG gesprochen.

Von unserem Busfahrer wurden wir zurück in unser Hotel gebracht, und nach einem kurzen Gute- Nacht-Trunk ging es für alle zeitig ins Bett, denn der nächste Tag sollte anstrengend werden.

Nach einem leckeren Frühstück ging es am Morgen zum Firmengelände von Ottobock. Es gab eine kurze Begrüßung und Einführung in den Ablauf unseres Besuches. Wir wurden in mehrere Gruppen für Unterschenkel- und Oberschenkelamputierte aufgeteilt, aber auch für Armamputierte und Hüftexartikulations-Betroffene gab es dieses Mal Ansprechpartner.

Für Unterschenkelversorgungen wurden das neue Unterdrucksystem DVS sowie der hydraulische Fuß, Tritin Smart Ankle, vorgestellt. Beides wurde sehr anschaulich vom OT-Techniker Martin Degenharth, selbst doppelseitig amputiert, demonstriert.

Ohne Berührungsängste wurden viele Fragen gestellt und auch sehr offen von ihm beantwortet.

Den Oberschenkelamputierten wurde das neue Kenevo Knie sowie das C-Leg 4

präsentiert. Natürlich durfte auch das Genium/ X3 nicht fehlen. Auch hier gab es eine Probandin, die alles eindrucksvoll vorführte.

Auch die Armamputierten, einer aus unserer, die andere aus der Spandauer Gruppe, hatten es diesmal gut. Der Leiter der Armprothetik, Erik Andres, nahm sich viel Zeit und stellte die Michelangelo-Hand mit flexiblem Handgelenk, den dynamischen Arm und neue flexible, aufpumpbare Schäfte vor, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Es wurde viel gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Amputierten der oberen Extremität sind, sei es in kosmetischer oder funktioneller Hinsicht. Herr Andres gab auch einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Armprothetik.

Bei der Werksbesichtigung konnte man schnell einen Eindruck gewinnen, wie groß das Firmengelände ist. Schon die Laufwege waren für einige von uns eine Herausforderung. Live zu sehen, wo mein Liner, die Kniekappe oder vielleicht mein C-Leg, das ich trage, herkommt, war einfach toll.

Beindruckend waren auch die Logistikabteilung und das unordentliche bzw. „chaotische“ Lager, das alleine schon durch seine Größe bestach. Ein ausgeklügeltes Computersystem sorgt in dieser gewollten Unordnung für den optimalen Durchblick.

Um die Mittagszeit gab es für uns einen Imbiss in der Cafeteria und danach traf man sich zu einer Abschlussdiskussion. Nach einem Gruppen-Foto war gegen 16.00 Uhr die Veranstaltung beendet, und wir wurden ins Hotel gebracht.

Nach einer kurzen Pause für jeden machten wir uns gemeinsam noch mal auf den Weg in die Stadt. Bei einem Bummel in der Fußgängerzone entdeckten wir dann ein Lokal, in dem wir alle als Gruppe (10 Personen) ein Plätzchen fanden und gemeinsam zu Abend essen konnten. Natürlich gab es vorher ein paar Fotos zur Erinnerung, mit dem Flair dieser schönen alten Stadt und nebenbei schauten wir uns auch noch die schöne Kirche an.In geselliger Runde ließen wir den Abend dann im Hotel ausklingen, es wurde viel gelacht und gefachsimpelt. Ich muss sagen, es ist schön, seine Mitstreiter in einer gelösten Atmosphäre anders kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen gut gestärkt, gab es für uns noch einen Termin. Wir besichtigten das Grenzlandmuseum in Teistungen. Das ist eine Mahn und Gedenkstätte, die sich die Aufgabe gestellt hat, die Geschichte der deutschen Teilung darzustellen. Die Ausstellung zeigt, welche Motive und Hintergründe zur Errichtung der innerdeutschen Grenze und Berliner Mauer führten und welche persönlichen Schicksale damit verbunden waren. Gerade hier im Eichsfeld wurde gezeigt, wie die Bewohner unter dem Ausmaß der Teilung eines Ortes und der Trennung von Familien gelitten heben. Im Außenbereich ist ein 6 km langer Grenzlandweg über den früheren Kolonnenweg begehbar und ein Überwachungsturm zu besichtigen.

Den Abschluss bildete dann im Keller die Arrestzelle und der DDR-Konsum. Der eine oder andere konnte sich an Lebensmittel oder Dekoartikeln erinnern.

Ein großes Lob an den Herrn, der uns bei der Führung durch sein großes Fachwissen beeindruckte.

Als wir uns dann auf den Heimweg machten, gab es für jeden von uns viele neue Erfahrungen und Eindrücke. Ich denke, jeder hat an diesen Tagen Informationen für sich mitgenommen, die es nun gilt, vielleicht in die Tat um zu setzen.

Ein großes Dankeschön an Ottobock.

Ein Tipp an andere Selbsthilfegruppen: Macht Euch auf den Weg, es lohnt sich.

 

S.Wehde/W.Hahn

11.11.2015 Besichtigung der OTB-Musterwohnung Berlin-Marzahn

Unser Besuch in der OTB-Musterwohnung: „Ermündigung zum alltagsgerechten Wohnen“

am 11.11.2015 in 12681 Berlin-Marzahn, Meeraner Straße 7/ 6. OG

Ein persönlicher Rückblick:

Musterhafter Schüler, Schnittmuster, Musterhaus, diese Begriffe sind allgemein bekannt. Aber OTB- Musterwohnung?

Wir waren dort, am 11.11.2015. Diese besondere Wohnung bietet Beispiele mit Produkten und Arrangements für Menschen, deren Körper nicht (mehr) musterhaft funktioniert. Und wer kennt das nicht aus seinem ganz persönlichen Alltag? Denn auch im gewöhnlichen Leben nutzen der Hausmann und die Hausfrau so genannte Küchenhelfer, wie z. B. Flaschenöffner, Schaumkelle etc. Doch die OTB-Musterwohnung bietet einiges mehr.

Hier 4 Beispiele, die den Leser neugierig machen dürfen:

  1. Es gibt elektronische Verknüpfungen und Anzeigen, sozusagen als Erinnerer, wenn man mal vergessen hat die Wohnungstür oder das Fenster zu schließen. Demenz muss es ja nicht gleich sein. Aber selbst für diesen Fall böten die elektronischen Verknüpfungen von Geräten in der Wohnung eine gewisse Sicherheit, zur Verhinderung des (vorzeitigen) Umzuges ins Pflegeheim.
  2. Kann man sich im Bett nicht mehr aufrichten und drehen, weil Halswirbel oder Kräfte versagen, ist das „ROTOFLEX- Aufstehbett“ von der PhysioNova GmbH mit u. a. höhenverstellbarer Drehplatte unter der Matratze eine begeisternde Hilfe um wieder „die Füße auf den Boden zu bekommen“. Es ist auch einstellbar zum Transfer auf Rollstühle. Eine echt super Erfindung!
  3. Das stark colorierte und besonders geformte Geschirr auf dem Esstisch ermöglicht es (stark) sehbehinderten Menschen, durch Kontrastfarbe und Form, weniger oft das bedauerliche Malheur zu erleben Flüssigkeiten zu verschütten.
  4. Ein Rollator lässt sich mit kleinen Handgriffen in ein Gefährt umwandeln, sozusagen in einen schiebefähigen Rollstuhl. Für den Fall, dass der Nutzende zu Zweit unterwegs ist, ist dieser Rollator eine prima Sache! Er erweitert die mögliche gemeinsame Bewegungsentfernung zu Fuß, z. B zum Cafe. Zurück kann er dann von seiner Begleitung, die sich dort gestärkt hat, geschoben werden. Bewegung tut gut.

Nunja, es ist nicht schön, wenn unsere Körper nicht musterhaft funktionieren, aber super ist’s, wenn musterhafte Entwicklungen bei Menschen hilfreiche Anwendung finden und Lebensfreude und Bewegung neu Raum hat.

Nach Besichtigung, Erklärung und teilweiser Erprobung der Produkte der Musterwohnung wurde in einem Seminarraum unser Erkenntnisstand zum Krankheitsbild Diabetes, Folgen und Nebenwirkungen erweitert und Fragen wurden beantwortet. Herausragend war die Erfahrung der Diabetologin, dass bei ihr erst nach vieljähriger Insulinbehandlung molekularbiologisch festgestellt wurde, dass eine Lebensmittelunverträglichkeit ihre Diabetes verursacht hatte und, dass durch eine langzeitige Nahrungsumstellung ihre tägliche Insulinmenge um ca. die Hälfte reduziert werden konnte. Wie nützlich könnte diese molekularbiologische Feststellungsmöglichkeit auch für viele andere insulinpflichtige Diabetiker werden?!?!

Nun, nach den vielen Eindrücken im 6. Obergeschoss des Hauses begaben wir uns ins Erdgeschoss und erhielten die Möglichkeit durch die OTB-Werkstatt geführt zu werden. Besonderheit dieser Werkstatt ist deren Größe und der Umfang der Hilfeleistungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Behinderungen, für Jung und Alt, für „Roller“ und „Latscher“. Und genau für die Letztgenannten gibt’s gleich nebenan die „Gehschule“.

So schloss ein eindrucksvolles und informationsreiches „Amputiertentreff-Event“ mit freundlichen, zwischenmenschlichen Begegnungen, die wir nicht gehabt hätten, wenn unsere Körper noch immer musterhaft funktionierten. (;o))

 

15.8.2015/2 Ausflug nach Magdeburg

Ausflug der SHG Magdeburg und des Amputierten Treffpunkt Berlin - Brandenburg

Lange geplant und dann so schnell vorbei.

Am 15.08.2015 fand der Ausflug der Selbsthilfegruppen Magdeburg und Berlin/Brandenburg statt. Lange vorher wurden Pläne geschmiedet und der Tag organisiert. Da wir Magdeburger im letzten Jahr bei unserer Partner-SHG an einer Dampferfahrt teilnehmen durften, stand in diesem Jahr der Gegenbesuch an.

Pünktlich trafen wir uns auf dem Parkplatz am Petriförder in Magdeburg, wo uns ein Reisebus des Verkehrsinstitutes Magdeburg mit seinem Fahrer Jörg Baldeweg aufnahm. Auch der von uns über „Touralis, Ihre Stadtführer in Magdeburg“ gebuchte Stadtführer, Herr Börke, fand unsere Gruppe, so dass die „Reise“ um 10.00 Uhr starten konnte. Als Erstes absolvierten wir eine 90 minütige Stadtrundfahrt, wo uns das Zentrum sowie kleinere nördliche und östliche Teile der Stadt nähergebracht wurden. Diese Tour endete dann auch wieder an ihrem Ausgangspunkt, von wo aus jetzt eigentlich „Die große Acht“ auf dem Ausflugsdampfer „Sachsen-Anhalt“ geplant war. Doch diese Tour fiel wegen Niedrigwassers der Elbe buchstäblich ins Wasser. Der Pegel betrug lediglich 51 cm, weshalb auch der Domfelsen, wo derzeit sogar Tomaten wachsen, zu sehen war.

Da wir unsere Gäste aus Berlin und Umgebung jedoch nicht nur für die Stadtrundfahrt nach Magdeburg eingeladen hatten, waren wir gefordert und entwickelten Plan B, der, glaube ich, bei allen 24 Teilnehmern unseres Ausfluges recht gut ankam.

Nach einer kurzen Pause begaben wir uns, jetzt per Bus, auf die Route der „Großen Acht“. Zunächst wollten wir uns jedoch erst einmal stärken. Hierzu nahmen wir Kurs in den Rothehorn-Park, wo wir das „Le Frog“ im Außenbereich entern wollten. Doch genau in diesem Moment spielte der Wettergott nicht mit und schüttete das Nass, welches wir seit Wochen vermissten (Stichwort Niedrigwasser). So mussten wir jetzt auch bei Plan B improvisieren. Unweit des Rothehorn-Parks befindet sich das Landesfunkhaus des MDR mit einer öffentlichen Kantine. Hier fanden wir „Zuflucht“. Nach erfolgter Stärkung ging es nun in den Norden der Stadt, wo sich der Stadtteil Rothensee mit seinem Schiffshebewerk und parallel dazu die neu errichtete Sparschleuse befindet. Beide Bauwerke, die Teil des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg sind, konnten jetzt von allen Fahrgästen genau betrachtet werden. Wir hatten dabei sehr viel Glück, denn während unseres Aufenthaltes dort, wurde die „Sachsen-Anhalt“, die derzeit nur auf dem Kanal verkehrt, im Schiffshebewerk befördert. Eine Schleusung konnten wir leider nicht miterleben, da die Zeit unseres Aufenthaltes begrenzt war.

Da das Wetter doch einige Kapriolen spielte und auf Regen gleich wieder unheimliche Hitze folgte, verzichteten wir darauf, die 918 m lange Trogbrücke fußläufig zu überqueren. Diese betrachteten wir nun von der Autobahn A2 aus der Ferne.

Das nächste Ziel war die Doppelsparschleuse in Hohenwarthe, die den Abschluss des Wasserstraßenkreuzes bildet. Hier wurden letzte Fotos gemacht.

Da wir uns jetzt zeittechnisch in der sogenannten “Kaffeezeit“ befanden, bestand in der Gruppe der Wunsch, nach einer kurzen Pause. Unser Fahrer Jörg kennt diese Gegend wie seine Westentasche und machte den Vorschlag, das im nächsten Ort befindliche Eiscafé anzusteuern. Auf dem Weg dorthin überquerten wir noch die Schleuse Niegripp, die seit der Eröffnung des Wasserstraßenkreuzes den Status eines technischen Denkmals, bei voller Funktionsfähigkeit, trägt.

Nach dem Genuss von Kaffee, Kuchen und Eis ging es nun zurück zu unserem Ausgangspunkt, wobei wir jetzt den Weg über Burg nahmen. Auch hier konnte uns Jörg so einige wissenswerte Details vermitteln.

Gegen 17.00 Uhr endete dann (leider) der Ausflug dort, wo er begonnen hatte.

Ein Teil der Reisegruppe ließ die Fahrt in der Strandbar am Petriförder mit leckeren Getränken ausklingen.

Unser aller Dank gilt unserem Fahrer Jörg, ohne dessen Hilfe der Tag ohne Wasser ins Wasser gefallen wäre.

Kerstin Loeh

 

15.8.2015/1 Ausflug nach Magdeburg

Ausflug nach Magdeburg am 15. August 2015

Auf nach Magdeburg

Schon lange hatte die mit uns befreundete Selbsthilfegruppe Amputierter in Magdeburg, die fast regelmäßig an unseren Gruppentreffen teilnimmt, uns Berliner und Brandenburger in ihre Stadt eingeladen. Am Sonnabend den 15. August war es nun so weit. Frühmorgens machten wir uns in Fahrgemeinschaften und mit mehreren Pkw auf den Weg. Ein Parkplatz am Elbufer war unser Ziel, mit genauer Adresse für die Navis.Einige von uns lernten einmal mehr, dass das beste Navigationsgerät nichts nützt, wenn eine innerstädtische Baustelle nicht angezeigt wird und man im Kreis herumirrt! Die Verspätung war aber gering, und wir trafen alle auf dem Parkplatz zusammen. So viele waren gekommen! Die Begrüßung war herzlich. Viele freuten sich darüber, die ihnen nicht zuletzt durch die Reisen nach Andalusien gut bekannte Gehschultrainerin Mandy Küsel wiederzusehen.

Stadtrundfahrt in der Ottonen-Stadt

Wir bestiegen einen bequemen Reisebus, der von Kerstin und Hartmut organisiert worden war. Der Fahrer und ein zusätzlich engagierter Reiseleiter begrüßten uns an Bord. Dann ging es los zu einer rund zweistündigen intensiven Stadtrundfahrt.

Am Elbeufer hatten wir schon gesehen, dass offensichtlich sehr wenig Wasser im Fluss war. Aber erst der Blick aus dem Bus machte deutlich, wie gering der Wasserstand wirklich war (wer hat denn hier den Stöpsel gezogen?). Der Pegel zeigte nicht mehr als 51 cm, ein geradezu historischer Tiefstand. Die gesamte Schifffahrt ruht natürlich bei so wenig Wasser, und kein einziger Ausflugsdampfer war zu sehen. Das störte uns zunächst aber nicht, denn nun ging es los mit dem Bus, kreuz und quer durch die alte Bischofsstadt Magdeburg, die mit heute rund 200 000 Einwohnern zwar etwas geschrumpft, aber immer noch eine stattliche Stadt ist. Im 9. Jahrhundert als Sitz Otto I. gegründet wurde die Stadt früh Bischofssitz, wovon der prächtige Dom noch heute kündet. Unser Reiseleiter, eloquent und unterhaltsam, zeigte uns auch die alte Stadtmauer, die einst eine eng bebaute Altstadt schützte. Davon ist heute als Folge des Krieges leider nichts mehr zu sehen.

Das Luther-Denkmal kündet davon, dass Magdeburg sich früh der Reformation anschloss. Weltoffen und frei im Denken war die Stadt, als sie Protestanten, die aus Frankreich und Wallonien fliehen mussten, aufnahm. Auch damals gab es eine Flüchtlingsbewegung in Europa. Die Wallonierkirche zeugt noch heute davon. Wunderbare restaurierte Straßenzüge mit prächtigen Häusern der Gründerzeit und des Jugendstils dokumentieren die Zeit eines wohlhabenden Bürgertums. Vieles ist hier seit der Wende wiedererstanden. Die Landesregierung verschanzt sich nicht hinter hohen Mauern oder Zäunen. Beim Ministerpräsidenten und dem Justizminister in ihren renovierten historischen Dienstgebäuden am Domplatz und anderen Regierungsmitgliedern kann man an die Tür klopfen. Das wirkt bürgernah und sympathisch.

Das Stadtzentrum glänzt mit einer Prachtstraße, die mit Gebäuden im sowjetischen Zuckerbäckerstil an die Karl-Marx-Allee in Berlin erinnert. Die unvermeidlichen Einkaufstempel der Neuzeit, überall gleich gesichtslos, wirken dagegen phantasielos und profan. Großzügig sind die Parkanlagen an den Elbauen, mit Golfplatz und Hotel eine Oase unmittelbar an der Stadt. Die alten Elbarme sind darüber hinaus ein Paradies für Flora und Fauna. Auf der Elbinsel gibt es eine imposante Stadthalle aus dunklem Backstein. Die häufigen Hochwasser ziehen das Gebäude aber regelmäßig in Mitleidenschaft. Eigentlich war an der Stadthalle eine Rast im Park Café geplant. Die fiel leider einem Wolkenbruch zum Opfer, der die meisten von uns im Bus festhielt. Die wenigen, die schon ausgestiegen waren, kamen ziemlich pudelnass zurück! Kurzerhand verlegten wir die Mittagspause in das supermoderne Gebäude des Mitteldeutschen Rundfunks, dessen Kantine groß genug war, unsere Gruppe spontan aufzunehmen. Es gab Currywurst mit Pommes (eine Berliner Currywurst war es natürlich nicht, aber trotzdem lecker!) oder Soljanka und guten heißen Kaffee.

Von der Elbinsel aus warfen wir einen Blick auf die Stadt mit dem Dom. Das extreme Niedrigwasser hatte den Felsen unterhalb des Doms im Fluss, die bekannte Domplatte, gänzlich freigelegt. Menschen gingen darauf spazieren. Man konnte gut sehen, wie sehr die Domplatte dort auch bei normalem Wasserstand die Fahrrinne für die Schifffahrt verengt. Modern zeigt sich die Stadt mit den Gebäuden der Universität, um die sich zahlreiche andere Forschungsinstitutionen angesiedelt haben. Die Stadtrundfahrt war damit beendet. Rasend schnell war die Zeit vergangen, und mit viel Beifall verabschiedeten wir unseren Reiseleiter.

Mit dem Bus zum Wasserstraßenkreuz

Eigentlich hatten die Magdeburger geplant, uns nach der Stadtrundfahrt auf einen Dampfer zu verfrachten und auf dem Schiff die Besichtigungstour fortzusetzen. Diese Planung ….fast hätte ich geschrieben: „fiel ins Wasser“, aber das fehlte ja gerade! Die gesamte Schifffahrt war ja wegen des Niedrigwassers eingestellt. Glücklicherweise war der Fahrer unseres Busses eingesprungen; er machte mit uns die Tour, die wir sonst mit dem Schiff zurückgelegt hätten.

Denn bei Magdeburg sind mehrere Bauwerke für die Binnenschifffahrt entstanden, die beachtenswert sind und deshalb viele Besucher anziehen. Dazu gehören ein Schiffshebewerk, mit dem Schiffe wie in einem Aufzug einen Höhenunterschied von 16 Metern überwinden können, und eine Trogbrücke, die den Mittellandkanal über die Elbe führt. Diese Brücke ist mit über 900m Länge und einer schiffbaren Breite von 34m das größte Bauwerk dieser Art in der Welt! Die gesamte Anlage, zu der auch noch eine Reihe von Schleusen gehört, macht den durchgehenden Schiffsverkehr zwischen dem westdeutschen Fluss- und Kanalnetz einerseits und Elbe und Oder andererseits möglich, oder kurz gesagt: zwischen Rhein und Oder kann man bequem mit dem Schiff fahren. Als Teil der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ und einziges Großprojekt für die Binnenschifffahrt wurde die gesamte Anlage nach nur wenigen Jahren Bauzeit 2003 fertiggestellt.

Wir konnten miterleben, wie ein Fahrgastschiff mit dem Schiffshebewerk vom Mittellandkanal auf die Ebene der Elbe abgesenkt wurde. Viele von uns bestiegen dafür den fünf Stockwerke hohen Turm der Betriebszentrale (Beinamputierte nutzen ja jede Möglichkeit zum Training….!), von dem aus es einen sehr guten Überblick gab. Anschließend fuhren wir weiter nach Niegripp zur dortigen „Sparschleuse“. Unser Busfahrer machte es möglich, mit Erlaubnis der Wasserstraßenverwaltung bis auf das Betriebsgelände zu fahren. Die gesamte Anlage ist sehr eindrucksvoll. Hunderttausende Tonnen Stahl und Beton wurden verbaut; trotzdem fügt sich gerade die lange Trogbrücke sehr harmonisch in die Landschaft ein. Wir werden sicher bei der nächsten Fahrt auf der A 2 den Blick Richtung Norden wenden und versuchen, die Brückenpfeiler zu erspähen.

Auf der Rückfahrt zeigte unser Busfahrer uns noch das kleine Städtchen Burg, durch dessen enge Bebauung im Zentrum sich die Bundesstraße B 1 windet. Burg hat nicht nur einen Roland auf dem Marktplatz, sondern hatte früher einmal einen Rekord inne: Die einstige Schuhfabrik Conrad Tack war einmal die größte in Europa!

Nach einer kleinen Pause mit leckerem Eis kehrten wir zurück nach Magdeburg. Mit ein wenig Wehmut nahmen alle Abschied voneinander und bestiegen die Autos für die Rückfahrt. Der Tag hat die Berliner, Brandenburger und die Sachsen-Anhaltiner nicht nur wieder einmal zusammen-, sondern uns einander auch nähergebracht. Unser Dank gilt vor allem Kerstin und Hartmut, die alles prima geplant und organisiert haben! Wir kommen gerne einmal wieder!

 Wolfgang Hahn