Laufevent 2020

 

                                                                                                                   

Am Sonntag, 13. September, hat in Potsdam ein Laufevent für Menschen mit Amputation stattgefunden. Die Veranstaltung wurde vom Sportverein “Anpfiff ins Leben” aus Hoffenheim (Baden-Württemberg) in der Kooperation mit SC Potsdam, den Prothesenherstellern Ottobock und Össur organisiert.

Ich habe mich im Voraus für das Laufevent angemeldet und Daten über meine Art der Amputation, Gewicht und Schuhgröße geschickt, damit “Anpfiff ins Leben” für mich passende Laufprothesen bestellen konnte. Allerdings war ich bis zum Tag des Events nicht sicher, ob ich laufen werde, weil es mir nicht klar war, ob man mir Laufprothesen einfach anschrauben kann. Die Sache ist: Ich habe eine beidseitige Amputation, und die Stümpfe sind sehr lang, deshalb dachte ich, dass das Rennen für mich nur möglich ist, wenn Laufprothesen zu meinen Waden geschraubt sind - und dafür braucht man eigentlich spezielle Schäfte.

Aber es ging! Ich bin zum ersten Mal seit mindestens drei Jahren gerannt, was an sich schon ein außergewöhnliches Gefühl war. Natürlich ist das Rennen auf Prothesen ganz anders, als wenn man auf eigenen Füßen rennt. Das möchte ich gar nicht vergleichen. Ich war einfach überrascht, dass man mit einer beidseitigen Amputation, wie bei mir, rennen kann! Natürlich habe ich das bei den Paralympischen Spielen gesehen, aber ich bin keine paralympische Athletin. Ich dachte, man muss zuerst viel lernen, aber ich bin sofort gejoggt - erstmal mit ein bisschen Unterstützung und dann allein - und habe eigentlich nie meine Balance verloren!

Ich habe zwei Ottobock-Füße getestet. “1E91 Runner” sieht aus wie, die Laien denken, alle Laufprothese aussehen. Das sind halbmondförmige Prothesen, die viele “Running blades” nennen. Sie erlauben, einen guten Schwung beim Rennen zu haben und entsprechend große Schritte zu machen. Was sie nicht erlauben, ist NICHT zu rennen, insbesondere wenn man eine beidseitige Amputation hat. Man muss sich immer irgendwie bewegen, zum Beispiel von einem Fuß auf den anderen treten. Einfach zu stehen ging nicht - ich musste mich an etwas festhalten oder sitzen. Sehr merkwürdig. Eine weitere Sache war, dass ich mit diesen Prothesen auf meinen langen Stümpfen sehr groß geworden bin - fast 2 Meter. Normalerweise soll man solche Prothesen in Wadenhöhe befestigen.

Die zweiten Sportprothesenfüße, die ich getestet habe, waren “Challenger” von Ottobock. Ich habe sie großartig gefunden, weil sie erlauben, nicht nur zu rennen und federn, sondern komfortabel gehen und stehen, was bei “Runner” nicht der Fall war! Zwar hat man mit “Challenger” eine kleinere Schwungphase als mit “Runner”, was ich für mich aber komfortabler fand. Auch für das Körpergefühl waren sie angenehmer.

Das war das erste Laufevent in diesem Format beim SC Potsdam. Das Ziel von “Anpfiff ins Leben” ist es, Menschen mit Amputationen für eine Sportart zu interessieren. 2Etwas aus zu probieren und sagen: „Ja, das ist mein Sport und ich kann es mir vorstellen, weiter zu machen”, sagte Diana Schütz, Koordinatorin der Bewegungsförderung für Amputierte beim “Anpfiff ins Leben”, die selbst eine Amputation hat.

Laufen sei nur eine der Sportarten, die “Anpfiff ins Leben” für Menschen mit Amputation bietet. Zu den anderen gehören beispielsweise Tanzen, Fußball, Sitzvolleyball und Klettern. “Ich weiß, dass Menschen mit Amputation ganz viel Sport machen können. Wir wollen unsere Angebote nach und nach präsentieren, damit Menschen mit Amputation die für sie optimale Sportart wählen können. Unser Ziel ist, Menschen zu integrieren. Also, das Wort Inklusion ist hier ganz wichtig”, so Schütz. 

Firmen Ottobock und Össur haben Laufprothesen für das Event kostenlos zur Verfügung gestellt. Für Prothesenhersteller gibt es bei solcher Veranstaltung die Möglichkeit, Menschen mit Amputation für ihre Laufprothesen zu interessieren.

Laut der Organisatoren, haben an der Veranstaltung 16 Menschen mit Amputation teilgenommen, davon waren 8 aus unserer Selbsthilfegruppe.

 

 Text: Anna Laletina