Rückblick auf den 5. Gehschul-Workshop

vom 12.08. bis 14.08.2022


Heimvolkshochschule am Seddiner See


So wie eben jede Info beginnt:

Liebe Mitstreiter,

ach, ne - so geht‘s nicht. Dies ist schließlich keine Info, sondern ein Rückblick. Und rückblickend kann ich für mich sagen, dass aus den Mitstreitern Freunde geworden sind. Warum? Na, weil wir so viel geredet und gelacht haben. Wenn reden und Lachen nicht Freunde schafft, was dann?

Zum Anreisetag wurde bei jedem ein Coronatest von (Schwester) Christiane durchgeführt. Erster Pluspunkt war das alle Tests eindeutig negativ waren. Aber an diesem Wochenende folgten noch viele Pluspunkte....... Aber immer schon langsam - na ja schnell können ja sowieso die wenigsten von uns. ;-)

Nach Schlüsselübergabe, Koffer öffnen und einem fantastischen Abendessen wurde ausgiebig gequatscht. Was sonst immer, bei den Treffen, mit einem lauten "Psssst" abgewürgt wurde, durfte nun ausgiebig zelebriert werden. Geschichten und Schicksale erzählen und anhören machten den Abend harmonisch. Ende war wann?????? Keine Ahnung!

Am Samstag reisten die restlichen Teilnehmer an. Frühstück und Wanderung in Tagesraum, wo Michael von fünf

Mitstreitern - die abends zuvor ihre "Opferbereitschaft" für Filmaufnahmen - gegeben hatten, eine Ganganalyse per Video dokumentierte.

Nach einem Käffchen zur Stärkung stellte die Firma Mobilis ihre E-Scooter vor. Für die Teilnehmer, die nicht dem "Michael-Schumacher-Wahn" (bei 6 km/h) verfallen waren, gab es mit dem anderen Michael das Gegenteil zu erlernen: Tai-Chi! Langsam und kontrolliert.

Ein köstliches Mittagsmahl folgte. Anschließend stellte sich Frau Dr. Beirau aus dem UKB-Marzahn vor. Eine Mini-Sprechstunde mit gut organisiertem und schlichtem Sprechzimmer - verwaltungsarmer und kurzfristiger Terminvergabe (Vortag) folgte. An dieser Stelle möchte ich gerne ein großes Lob für Frau Dr. Beirau loswerden. Wir alle haben auf unserem Weg viele Ärzte kennengelernt, aber eine Ärztin mit dieser Kompetenz, fern ab jeglicher Arroganz, und mit einem solch hohen Maß an selbstlosem Arrangement für unsere Minderheit, ist schon etwas ganz Besonderes.

Es folgten Monikas Terraband-Übungen, sowie Gelände-Gehschultraining, aufgeteilt in kurze und lange Beine. 

 

 

 

Dies ist nur eine Beschreibung eines „Frischlings“, ohne Vergleichsmöglichkeiten. Auffällig war für mich, dass jeder (Oberschenkel-)Amputierte völlig unterschiedliche zeitunabhängige Stadien durchlebt. Es waren Teilnehmer dabei, die 9 Monate amputiert waren und freihändig mit einer Interimsprothese liefen und wieder andere Teilnehmer, die über Jahre ihr Gangbild perfektioniert hatten und Teilnehmer noch zwei Gehstützen brauchten. Das erforderte schon ein hohes Maß an Flexibilität an den Trainer und kann auch nur mit gegenseitiger Hilfe funktionieren.

Das Training sollte 1. Treppen auf – und absteigen  

  1. Berg auf- und ablaufen
  2. Fallübungen                                      

Wegen der starken Hitze suchte Michael eine Treppe im Schatten. Der Weg dorthin war etwas holperig. Eine Teilnehmerin brauchte Hilfe, eine Teilnehmerin brach das Training ab. Alle anderen Teilnehmer nahmen mit Freude und Eifer teil und erhielten wertvolle Tipps zur Verbesserung ihrer Lauf-Aktivität. Auch der leichte Anstieg der Rasenfläche wurde mit seitlichem Aufstieg geübt. Die Anstrengung war, gerade wegen der Hitze, den Teilnehmern anzusehen.

Die Fallübungen und spezielle Laufübungen wurde im Vortragsraum auf Weichmatten und am Barren mit Michael und Benjamin geübt. Benjamin ist ein Physiotherapeut mit Zusatzausbildung. Die Laufübungen kamen sehr gut an. Aktive Schwungphasen und auch Standphasen wurden korrigiert und verbessert.

Ich glaube, dass die vorgeführten Fallübungen von Michael zwar sehr bewundert wurden, aber nicht wirklich zur Nachahmung animierten.

Es war für jeden etwas zum „Mitnehmen“ dabei. Teilnehmer, die die Gesellschaft genossen.

Teilnehmer, die sich willig trainieren ließen

Teilnehmer, die mit einem „Aha-so-geht-das-Effekt“ belohnt wurden

Teilnehmer, die ihre Gangart sehr gut verbesserten

Gelohnt hat es sich für jeden, denn egal wie lange man kurz- oder einbeinig unterwegs ist, man lernt immer dazu.

Für die "rumstehenden" Angehörigen wurde Kraft-Balance-Beweglichkeits-Training angeboten. Monika und Michael zeigten per Video-Übertragung Narbenmobilisation bei kleiner offener Wunde am lebenden Objekt. So wie ich das beobachtete, blieb dies aber ohne appetithemmende Wirkung, denn beim dem wiederum sehr guten Abendbrot wurde sehr gut zugelangt.

Leider stürzte die Ehefrau eines Teilnehmers auf der Treppe. Frau Dr. Beirau leistete nicht nur 1. Hilfe, sondern kümmerte sich liebevoll. Ich glaube in diesem Falle, darf ich mal im Namen aller sprechen: vielen Dank an Frau Dr. Beirau und gute Besserung für die Patientin.

Trotz aller Anstrengungen für die Teilnehmer und dem Unfall folgte ein gemütliches Beisammensein. Auch diesmal weiß ich nicht, wann er zu Ende ging.

Am Sonntag gab es nach dem Frühstück Entspannungsübungen mit Monika und anschließend einen Vortrag betreffend des Bundesteilhabegesetzes von Frau Schmidt-Statzkowski. Bei dem Gedanken an Entspannungsübungen und anschließendem Vortrag über Paragrafen kapitulierten schon meine Augenlider mit akuter Muskelschwäche. Aber Frau Schmidt-Statzkowski hatte eine sehr erfrischende und humorvolle Art dieses eher unspannende Thema zu erörtern. Tatsächlich hatten am Ende noch einige Teilnehmer die Kraft ihren Arm zu heben und Fragen zu stellen.

Es kam, wie es kommen musste: Training für Kurz-Ein- und Zweibeiner. Schnauf...... und was für ein Glück: Mittag ist fertig.

Nix da, nach Hause und Ausruhen. Nach dem Essen folgten erneute Ganganalysen zusätzlich im Video-Vergleich zu den anfänglichen Aufnahmen. Bei allen gefilmten Teilnehmern konnte eine deutliche Verbesserung des Gangbildes festgestellt werden.

Man kann ohne Zweifel von einem sehr gelungenen Wochenende sprechen. Dank der fantastischen Organisation von Sylvia und Frank und dem Bemühen jedes einzelnen Teilnehmers gute Stimmung zu verbreiten, sowie Hilfsbereitschaft förmlich zu zelebrieren ließen bei manchem "Frischling" am Ende eine Träne der Dankbarkeit fließen.

Auch für mich als Frischling bleibt nur zu sagen, Danke für dieses tolle Wochenende. Ich möchte noch an vielen weiteren solcher Wochenenden teilnehmen. 

                                                                                                                                              

Verfasser: Bärbel P.